Berlin, 15. März 2012
Der Blumenbar Verlag wird knapp zehn Jahre nach Gründung neu positioniert und als Label für Literatur und Events unter dem Dach des Aufbau Verlags weitergeführt. Wolfgang Farkas, 44, bisheriger Verlagsleiter, ist ab sofort beratend für Blumenbar wie auch für andere Verlage bei Aufbau in den Bereichen Programm und Veranstaltungen tätig. Die verlegerische Verantwortung übernimmt Aufbau-Geschäftsführer René Strien. Das erste neue Programm erscheint im Frühjahr 2013.
Blumenbar wurde 2002 von Wolfgang Farkas und Lars Birken-Bertsch in München gegründet und gilt als einer der bekanntesten Independent-Verlage. Zu den bisherigen Autoren zählten unter anderen Airen, PeterLicht, Lola Arias, Hunter S. Thompson, Leonard Cohen, Matias Faldbakken, Tracey Emin. Zuletzt erschienen der Bestseller »Manifest der Vielen«, herausgegeben von Hilal Sezgin, und der Roman »Mein Name ist Revolution« von Imran Ayata.
Ich gehe in die Küche, öffne die Kühlschranktür, nehme einen Saft, schließe die Tür wieder und bleibe stehen, lausche und warte, bis das Brummen des Kühlschranks wieder zu hören ist.
F.X. Karl, Memomat, 2002
Wenn man viel unterwegs ist, begegnet man sich, schätzt den Augenblick.
Dann geht man weiter.
Saam Schlamminger in: Blumenbar und Textdiebe (Hg.), Osten. In 26 Geschichten um die Welt, 2003
Publikum: JAAAA!
Matias Faldbakken, The Cocka Hola Company, 2003
Oder wie Michael Lentz schreibt: Was fehlt, fehlt ganz.
Elisabeth Tworek (Hg.), Dichter Hand Schrift, 2004
Drunten auf der Erde, wo er noch ist, werden die Blätter an den Bäumen langsam welk, aber die Vögel singen ihre Lieder. Wahrscheinlich. Greg kann sie nicht mehr hören.
F.X. Karl, Starschnitt, 2004
Es war Drachenzeit in Cidade de Deus.
Paulo Lins, Die Stadt Gottes – City Of God, 2004
Er hatte vielleicht nicht gelernt, Kaimane mit der Hand zu fangen, aber als er jetzt an den anderen dachte, empfand er mit einem Mal so etwas wie Glück.
Anne Zielke, Arraia, 2004
Klänge einer Nacht in San Juan, die es durch Schichten feuchter Luft über die Stadt wehte; Geräusche von Leben und Bewegung, Menschen, die sich bereit machten und Menschen, die aufgaben, der Klang der Hoffnung und der Klang des Durchhaltens, und hinter all dem das leise tödliche Ticken von tausend hungrigen Uhren, der einsame Klang vergehender Zeit in der langen karibischen Nacht.
Hunter S. Thompson, The Rum Diary, 2004
And beer doesn’t have to be sterilized.
Matias Faldbakken, Macht und Rebel, 2005
Er drehte den Kopf, sah auf den vor ihm liegenden Gang; zur Decke, ins Licht der gelben Neonlampen.
Thomas Palzer, Ruin, 2005
Die Katze, auf deren Wasserschälchen eine Zahl steht, läuft ihnen hinterher.
Carmen Stephan und Gleice Mere, Brasília Stories. Leben in einer neuen Stadt, 2005
… der sich für was Besonderes hält … nur weil er einmal … Keith Haring persönlich …
Raul Zelik, Berliner Verhältnisse. Unterschichtenroman, 2005
Wir, die wir liebend Grenzen überschreiten, haben jetzt etwas, an das wir glauben können: eine romantische Liebe, eine Liebe, für die es sich zu sterben lohnt.
Erin Cosgrove, Die Baader-Meinhof-Affäre. Ein romantisches Manifest, 2005
Er erschauderte, ließ sich schwer auf den Boden neben den Eisschrank fallen – und sagte nichts.
Hunter S. Thompson, Screwjack, 2005
Die Juwelenlichter der Stadt wichen bald dem weichen abendlichen Zwielicht erntereifer Felder, und sie fuhren Richtung Norden, in das, was vom Sommer noch übrig war, die Handschellen noch am Handgelenk, verbunden wie Sidney Poitier und Tony Curtis als flüchtige Sträflinge in Flucht in Ketten oder wie Braut und Bräutigam auf einer Hochzeitstorte.
Tony Parsons, Als wir unsterblich waren, 2006
Der Herr der Stimmen war nirgends mehr zu sehen und hatte sie mit sich genommen.
Leena Krohn, Stechapfel, 2006
Die Verkäuferin des Gemüsestands erzählt einer Kundin von spanischem Regen, der Kartoffelhändler wischt sich die Hände an der Schürze ab, ein dürrer Mann mit einem roten Hemd unter einer dunklen Wildlederjacke hält sein Mostglas gegen die Sonne und überlegt, was sich verändert hat.
Hans-Peter Kunisch, Die Verlängerung des Markts in den Abend hinein. Roman in Buden, 2006
Und das ist erst der Anfang.
PeterLicht, Wir werden siegen! Buch vom Ende des Kapitalismus, 2006
Ich spüre noch meine nackten Füße in der Dunkelheit auf den Schweißnähten des Deckstahls.
Matthias Hirth, Angenehm. Erziehungsroman einer Künstlichen Intelligenz, 2007
Einer holte noch einmal den Kamm aus seiner Jackentasche und korrigierte ein letztes Mal Theos Frisur.
F.X. Karl, Fünf Tage im Juli, 2007
Ich nippe an dem Kaffee, der gleichzeitig warm, süß und sehr sauer schmeckt, sich fast ätzend im Magen anfühlt, und blicke weiter dem Boot hinterher, bis nichts mehr zu erkennen, alles im Dunst verschwommen ist. Erst dann stehe ich auf.
Raul Zelik, Der bewaffnete Freund, 2007
Und dein Abenteuer wird bewegender sein als das des Ulysses, weil du, wo immer du auch hinkommst, an Orte zurückkehrst, an denen du noch nie gewesen bist.
Joseba Sarrionandía, Der gefrorene Mann, 2007
Als sollten diese Momente der Jugend ewig währen: ewig wie der Strand, an dem alle gleich sind, und unsterblich wie die Liebe und das Lied vom Mädchen von Ipanema.
Anne Zielke, Die Frau, die vom Himmel fiel, 2007
Wir besuchen das Monument von Joey und Dee Dee Ramone, wo Fans auf Wolldecken im Kreis sitzen, Hot Dogs essen und Budweiser trinken.
Tom Kummer, Blow Up, 2007
Im Traum verreist
Probleme eingekreist
Ich hab’s!
Kreis im Kreis oder Kreis um Kreis
Walter Rufer, Der Himmel ist blau ich auch. Schwabinger Tagebücher, 2007
Sie ließen den Lenker los, starrten fest in seine Augen, die nicht gelb waren, und Sie stürzten sich auf ihn, mit Würgehänden.
Alban Lefranc, Angriffe. Fassbinder. Vesper. Nico, 2008
Sie lächelt und scheint zu schlafen, als Laurent hinter ihr am Schreibtisch steht, doch sie ist jetzt nicht mehr da.
Olaf Kraemer, Ende einer Nacht. Die letzten Stunden von Romy Schneider, 2008
Irgendwas habe ich hier noch zu tun. Ich denke, dass ich es herausfinden werde.
Rainer Langhans, Ich bin’s. Die ersten 68 Jahre, 2008
Es waren nur zwei, drei Jahre, in denen viele glaubten, das für die Gemeinschaft Bessere, das Richtige zu machen. Es waren gute Jahre damals, diese Jahre der Kommune I.
Bernd Cailloux in: Rainer Langhans und Christa Ritter, K 1. Das Bilderbuch der Kommune, 2008
Ich würde sie ganz bestimmt lieben. Und einen guten Daddy für sie finden.
Richard Milward, Apples, 2008
Der letzte DJ
träumt nachts von einer Maxisingle,
auf der er mit seiner Liebsten durchs All fliegt.
Es herrscht eine seltsame Stille
Franz Dobler in: Mirko Hecktor (Hg.), Mjunik Disco. München bei Nacht von 1949 bis heute, 2008
Mann, diese Deutschen. Entweder wollen sie dich flachlegen oder umlegen. Manchmal beides. Genau wie alle anderen.
Paul Beatty, Slumberland, 2008
Der Beifahrer blickte ihn aufmerksam an, als er direkt auf seiner Höhe war; und dass er sich sogar umdrehte und ihm noch lange nachsah, merkte Akhbar daran, dass ihm der Blick des Mannes brennend durch die Burka fuhr.
Murathan Mungan, Tschador, 2008
Die Flut steigt
Bald wird sie alles überschwemmen
Jedes Dach und jedes Tal
Der Körper wird untergehen
Die Seele verreisen
Ich schreib das zwar auf
Doch ich kann’s nicht beweisen
Leonard Cohen, Buch der Sehnsüchte, 2008
HAB KEINE ANGST, DICH MIT DER VERGANGENHEIT ZU KONFRONTIEREN.
Tracey Emin, Strangeland, 2009
Nein, sage ich, und steche erneut zu.
Matias Faldbakken, Unfun, 2009
Ich kann den Pfeilen gestatten, sanft in meinen Wunden zu ruhen.
Sebastian Horsley, Dandy in der Unterwelt. Eine unautorisierte Autobiographie, 2009
Vielleicht überschreiten wir eine andere Schwelle als die, die wir zunächst erblickt haben – ins Offene …
Raul Zelik und Elmar Altvater, Vermessung der Utopie. Ein Gespräch über Mythen des Kapitalismus und die kommende Gesellschaft, 2009
Das Wahre ist überall, sehr nahe und einfach. Es liegt da in der Evidenz des Es-ist-so. Gerade darum ist es schwer zu erkennen.
Byung-Chul Han in: Danckwart, Goette, Vincenz (Hg.), Chinaland, Reisen. Kopieren. Erzählen, 2009
Dann gingen wir weg und hinterließen ein zauberhaftes weißes Feld, Blütenformen und Stängel aus Fußstapfen.
Leonard Cohen, Das Lieblingsspiel, 2009
Da es aus Kredit – also Vertrauen – geschöpft wird, gibt es von ihm am meisten, wenn man es am wenigsten benötigt und am wenigsten, wenn der dringendste Bedarf besteht: in einer Krise.
Georg Zoche, Welt Macht Geld, 2009
Zinos begann, Forever in my Life von Prince zu summen, und er konnte nicht anders, als dabei an Margarita zu denken …
Jasmin Ramadan, Soul Kitchen, 2009
Dann lässt sie meine Eichel langsam zwischen ihre warmen Lippen hinein gleiten.
Alexander Schimmelbusch, Blut im Wasser, 2009
Alle Alten sterben gleich, alle sagen vor dem Sterben: Mama.
Lola Arias, Liebe ist ein Heckenschütze, 2010
Das Raunen erhebt sich von verschiedenen Plätzen aus dem Parkett, steigt nach oben zu den Logen hinauf und vermengt sich zu einem einzigen Ton: »Schhhh!«
Tom McCarthy, Tim und Struppi und das Geheimnis der Literatur, 2010
Der Bus von Istanbul nach Tunceli fährt zwischen Bergen hindurch und über Ebenen hinweg, und die Wolken und Bäume, Wasser und Städte, die an seinen Fensterscheiben vorbeiziehen, bleiben zurück bis zur nächsten Fahrt.
Murathan Mungan, Städte aus Frauen, 2010
Zwei Tage später, einer der Totengräber schickte sich gerade an, die erste Schaufel Erde in die offene Grube zu werfen, und der Galerist Gerhard Stolfzer zündete sich in Befolgung eines Wunsches, den der Verstorbene ihm mittels einer schriftlichen Note übermittel hatte, eine Zigarre an, erscholl ein dumpfer Knall, und der Sargdeckel sprang auf; Evgenij Sokolov hatte sich mit einem letzten übelriechenden Seufzer seines Afters, einem allerletzten posthumen Furz, der Nachwelt empfohlen.
Serge Gainsbourg, Das heroische Leben des Evgenij Sokolov, 2010
Dropeddi Bums. (Danke sehr)
John Lennon, In seiner eigenen Schreibe, 2010
Könnte man Filme machen, so wie’s Atmen, wären sie die größten Filmemacherinnen, die es in diesem Jahrhundert gegeben hat.
Werner Herzog in: Gisela Getty und Jutta Winkelmann, The Twins, 2010
Amanda Lear has just left the building
Andreas Neumeister in: Aylin Langreuter, Function Follows Fairytale, 2010
Mein Name ist Harald Heinemann, Freunde nennen mich Toni.
Ingo Niermann und Alexander Wallasch, Deutscher Sohn, 2010
So einige haben das Universum verstanden, den Range des Sounds, und wenn der Corbi ansagt, sollte so ziemlich jeder aufpassen …
Airen, I Am Airen Man, 2010
Und das wird’s wohl sein, was wir am Ende von unserer Arbeit gehabt haben werden. Ein paar gute Geschichten. Ein paar gute Leute.
Franz Dobler, Letzte Stories, 2010
Frage niemanden nach seiner Herkunft, er wird sie in seinen Erzählungen offenbaren.
Hilal Sezgin (Hg.); Manifest der Vielen, 2011
dann finde ich es seltsam wie
sich das weiße laken aus der staatlichen wäscherei anfühlt
ich nehme einen schluck aus dem plastik, ich
hoffe es werden keine
zweiundzwanzig tage und
dass du nach der geburt schon
sprichst
Sigurbjörg Thrastadóttir, Fackelzüge. Ein Liebeslied, 2011
Als es wieder und wieder läutete, stand ich auf und ging zur Tür.
Imran Ayata, Mein Name ist Revolution, 2011
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